Oh je, die letzten zwei Wochen höre und lese ich wieder von so vielen kranken Hunden. Aus diversen Rassen, wenn auch naturgemäß mit meinen Schwerpunkten.
Einzig positiv sehe ich, dass sich bei einigen immerhin keine Schlammschlacht anschließt. Die gibt es ja aus drei Richtungen. Dem zurecht tief enttäuschten Besitzer, dem entsetzten Züchter.
Und den schadenfrohen und sensationsheischenden Züchterkollegen.
Mir fällt jedoch gerade ein bisschen mehr Empathie als gewöhnlich auf. Wie schön ist das!
Der Besitzer. Er hat sich extra einen Hund bei einem seriösen Züchter gekauft. Er hat Pläne mit seinem Hund, die meist ein gewisses Aktivitätslevel enthalten. Eine endlose Finanzquelle für Behandlungen oder teure OPs, um im schlechten Fall nur einen erträglichen Zustand herzustellen, war meist nicht Bestandteil der Pläne.
Der Züchter. Er möchte tolle Hunde züchten, auf die er stolz sein kann und zufriedene Welpenkäufer haben.
Ganz sicher möchte er nichtmal als größtes -ihr wisst schon was- schlechte Publicity, geschweige denn Behandlungskosten übernehmen.
Der Hund. Möchte einfach problemlos tun, was Hunde tun möchten. Dazu gehört uneingeschränkt bewegen, atmen, fressen und schmerzfrei sein als Grundvoraussetzung.
Aus Züchtersicht (und betroffener Welpenkäufer war ich auch schon) kann ich sagen, dass wir sehr genau wissen, dass es uns irgendwann treffen wird. Es ist nur die Frage wann, womit und wie oft. Wird es etwas genetisches sein? Müssen wir unsere Zucht einstampfen? Wird es "nur“ etwas erworbenes sein? Werden wir ausgebuht von den lieben "Kollegen"? Startet der Welpenkäufer einen Shitstorm, weil wir das nicht ungeschehen machen können? Und was können wir für den Besitzer tun, außer ihm versichern, dass es uns leid tut und wir uns wünschen, es wäre anders?
Es ist einfach unwahrscheinlich, dass in einem Wurf von 8 oder 10 Welpen alle kerngesund 15 Jahre alt werden.
Wir bekommen Bluthochdruck, Diabetes, grauen oder grünen Star, Arthrose, Bandscheibe, Herz, schlechte Zähne und so weiter. Ab 40 geht es bei vielen immer schneller Richtung Verfall.
Wie können wir erwarten, dass das bei Hunden nicht so ist?
Ganz klar, darf und soll das nicht rechtfertigen, dass wir mit den Schultern zucken und „ist halt so“ sagen, wenn unsere Nachzucht krank ist.
Aber ist nicht vielleicht unser Anspruch auch realitätsfern? Dürfen wir unseren Wunsch zu einer in Stein gemeißelten Anforderung machen?
Ich möchte bewusst keinen Vergleich zu uns und unseren Kindern aufmachen. Aber darüber nachdenken kann man schon mal, warum wir hier mit zweierlei Maß messen.
Und wir sind uns ja alle einig, dass es gut ist, Tiere nicht als Sache zu behandeln.
Außer bei der Gewährleistung. Da scheint die Sachlage dann doch anders.
Ein herzlicher Dank an alle Beteiligten, die das Beste daraus machen und dabei menschlich bleiben.
Und mal wieder die Bitte an die Züchter: Seid ehrlich, teilt euer Wissen. Auch wenn es mal wehtut. Das möchtet ihr doch von anderen auch, um nicht in offene Messer zu laufen und guten Gewissens züchten zu können.
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